Königliches Forsthaus Gallunsbrück

Das alte Schleusenhaus um 1935

1775, dem Jahr der ersten nachweislichen Erwähnung unseres zweitältesten Gebäudes, des königlichen Forsthauses, bestand unser heutiger Ort  Bestensee noch aus den Ortschaften Groß Besten, Klein Besten und dem Etablissement Gallunsbrück. In letzterem befanden sich ein Fischer- und das  Forsthaus mit Nebengebäuden. Im Nachlass Bratring waren 1787 für diese Ansiedlung 10 Bewohner  aufgeführt: 1 Förster, 1 Fischer, 2 große Söhne, 1 große Tochter, 1 Tochter unter 10 Jahren, 1 Dienstjunge und eine Dienstmagd. An Tieren wurden 1 Pferd, 4 Kühe, 7 Schweine und Federvieh gehalten.

Ca. 1835 wurde Gallunsbrück Groß Besten angeschlossen. Am 1. April 1938 wurden die Gemeinden Groß und Klein Besten schließlich zu Bestensee vereinigt.   

"Gallunsbrück" 1916

Aber bereits 1755 gibt es einen Bericht von Gallunsbrück, als  Posten die Straße sperrten, um die Ausbreitung der Maul- und Klauen-seuche zu verhindern. Das Haus wurde aber noch nicht erwähnt.  Der Chronist Franz Blume berichtete darüber:

Sollten  die  Mittenwalder trotz der Warnung in die Dubrow fahren,  sollen ihnen  die Wagen  entzwei geschlagen und mit allem was darauf ist,  verbrannt,  die Pferde aber  ledig zurückgeschickt werden, damit die  Seuche nicht  in davon noch frei seiende  Dörfer verschleppt werde.“

Detaillierte Aufzeichnungen über das Forsthaus gibt es seit  1842  mit  der Ableistung des Eides vom 39 Jahre alten Jäger Carl  Friedrich  Ruben. 

1847 wurden bei einer Übergabe das Forsthaus und dessen  Nebengebäude recht genau beschrieben. Das Wohnhaus, ein Fachwerkgebäude aus  Lehm, hatte die Abmessungen 12,55 x 9,41 m und war mit Ziegeln gedeckt. Durch eine hölzerne Haustür und einen  gepflasterten Flur gelangte man in die Wohnstube, die von einem Ofen mit weiß glasierten Kacheln geheizt  werden  konnte. Nach diesen Angaben wurde auch im heutigen Gastraum wieder ein weißer Ofen installiert.

Neben einer Küche, Speisekammer, Keller, Hühnerboden und Kammer gab  es   sogar ein „Jungfernzimmer“. Auf dem Dachboden existierte  eine  Räucherkammer.

Weitere Gebäude auf dem Grundstück waren ein  Pferde-,  Federvieh- und Schweinestall, eine Scheune, die 1891 völlig abbrannte, ein Brunnen, ein Backofen, ein „Abtrittsgebäude“ (Toilette) und umgrenzt wurde das Grundstück von einem Holzzaun.

 

In  nur 1 km Entfernung führte die Straße von Königs  Wusterhausen  nach  Märkisch Buchholz vorbei, die der König und später auch  der  Kaiser für  ihre Treibjagden in der Dubrow nutzten. Einer  Überlieferung zufolge   soll der König für eine kurze Besichtigung des  Forsthauses einen  Abstecher nach  Gallunsbrück gemacht haben.    

 

Alte Ziegelei mit Brennofen

Vom 1855 in Klein Besten geborenen August Gutke ist  schriftlich eine Geschichte überliefert, die sich in 1 km Entfernung ereignete. Er war für eine Treibjagd des Kaisers in der Dubrow mit eingesetzt und nach dem Ende wollte der Kaiser mit einem Grafen in dessen Kutsche zurück zum Königs Wusterhausener Schloss fahren. Die kaiserliche Kutsche war damit frei und Herr Gutke bekam die Erlaubnis, als erster mit der Kutsche von der Försterei Hammer zurück zu fahren. Am Chausseehaus Groß Besten gab er dem Kutscher von innen Klopfzeichen, um anzuhalten.

Schon damals mussten die Schulkinder, der Bürgermeister  und Einwohner samt Musikkapelle Spalier bilden und jubeln.

Die  Kutsche fuhr langsam und hielt an. Alles jubelte –  die  Musikkapelle spielte  auf  und Rufe waren zu hören: „Der  Kaiser  kommt,  der Kaiser kommt ...“. Aber nicht der Kaiser, sondern  August Gutke stieg   aus. Alle amüsierten sich köstlich und den Rest bis  nach Hause ging er  zu Fuß,  vorbei am königlichen Forsthaus…

Die Lorenbahn vom Kiessee unterwegs zur Bahnstrecke nach Berlin

Durch die ca. 1886 eröffnete Groß Bestener Ziegelei  am  heutigen  Freudenthaler Tonsee und die ca. 1906 in Betrieb genommene Pätzer Ziegelei am Pätzer Tonsee tangierte eine Ziegeleibahn (anfangs noch als Pferdebahn ausgewiesen) die nördliche Seite des Forsthausgrundstückes und über  eine Brücke über den Glunzgraben wurde für den Ziegeltransport  eine Verbindung  zur Hauptbahnstrecke  Berlin-Görlitz hergestellt.

Das Forsthaus 1999 vor der Rekonstruktion

In den 1930er Jahren wurde das Forsthaus vermietet und  nach  dem  Auszug der letzten Mieter 1993 verfiel das Haus zusehends.  Erst 2008  nach  dem Kauf durch Uwe Budach wurde das unter Denkmalschutz  stehende  Haus mit  großem Aufwand in seinem ursprünglichen Zustand  wieder  hergestellt und  erstrahlt heute im alten Glanz.

~ von Ortschronist Wolfgang Purann ~